Sehenswertes


Simultankirche

Von welcher Seite auch immer man sich der Weinbaugemeinde Bechtolsheim nähert, der Blick wird eingefangen vom prachtvollen, bemerkenswert blockhaft geschlossenen Bau der dreischiffigen Simultankirche St. Maria und St. Christophorus, die sich auf der zum Petersberg hin ansteigenden Höhe mächtig erhebt. Ihre baukünstlerische Gestaltung und ihre einmalige, wertvolle und reiche Ausstattung haben die in den Jahren 1482 bis 1487 von bayerischen Steinmetzen errichtete und in den Jahren zwischen 1971 und 1977 umfassend renovierte Bechtolsheimer Kirche zu einem Kleinod unter den rheinhessischen Gotteshäusern der Spätgotik werden lassen. Im Jahr 2001 wurde das Äußere der Kirche gründlich renoviert und 2016 das Dach erneuert.
Einzigartig im Inneren der Kirche ist das Kirchengestühl aus dem Jahr 1496 von Meister Ehrhard Falkner aus Abensberg in Bayern. Dieses ist das einzige - neben Kiedrich im Rheingau - erhalten gebliebene Gestühl dieses Meisters, der nachweislich bis etwa 1520 am Mittelrhein gearbeitet hat. Das Bechtolsheimer Kirchengestühl hat noch die Farben der ersten Ausmalung, das Kiedricher ist so stark verändert worden, dass nur noch einige wenige Reste der ersten Farbgebung vorhanden sind. Sehenswert sind ebenso das Chorgestühl mit dem Weinrankenmuster und der Renaissance-Taufstein. Der barocke Hochaltar stammt aus dem Kloster Mariamünster in Worms.

Die Barockorgel von 1756 bauten die Orgelbaumeister Gebrüder Stumm. Sie ist neben der Mozartorgel in Kirchheimbolanden eine der bekanntesten. Viele Kunstfreunde werden seit vielen Jahren zum Besuch und zum Verweilen in der altehrwürdigen Kirche angelockt.

Seit 1685 wird die Kirche von beiden Konfessionen simultan genutzt. Mehrere Versuche, das Simultaneum zu lösen, sind bisher gescheitert.

Vom eigentlichen Gotteshaus getrennt, jedoch in unmittelbarer Nachbarschaft, befindet sich der Glockenturm, der der Zivilgemeinde gehört ( bekannt geworden durch den "Bechtolsheimer Glockenstreit" um das Läuterecht der bürgerlichen Gemeinde, 1964 entschieden vom Bundesverwaltungsgericht in Berlin zugunsten der bürgerlichen Gemeinde).

Historisches Rathaus

Administrativer Mittelpunkt der Gemeinde Bechtolsheim ist das historische Rathaus aus dem Jahr 1592. In gesunder Selbsteinschätzung der gegenwärtigen Bedeutung der Petersberggemeinde und ihrer geschichtlichen Vergangenheit haben die Bechtolsheimer ihr Rathaus mit umfänglichen Renovierungsarbeiten zu einem der schönsten in Rheinhessen werden lassen. Mit seinem Fachwerkobergeschoss und dem Erdgeschoss als offener Halle mit vier Arkaden verkörpert das Gebäude einen in Rheinhessen häufigen Rathaustyp. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde es stark beschädigt. Nach dem Brand von 1689 wurde das Fachwerkobergeschoss wieder neu errichtet. Bis zum Untergang des Alten Reiches beherbergte das Rathaus die ganerbschaftliche Verwaltung. Bis zur Verwaltungsreform im Jahr 1972 war dar Rathaus Sitz einer Bürgermeisterei.

Der Petersberg - unser Hausberg

In seinem Buch über die Geschichte von Gau-Odernheim 1883 schreibt Pfarrer Gredy folgendes:

Wer eine herrliche Aussicht genießen will, der besteige den Petersberg. Wer sich die Mühe macht von 20 bis 25 Minuten lang bergauf zu steigen, wird bei schönem Wetter reichlich belohnt dafür. Der Berg hat eine Höhe von 246 Meter über der Meeresfläche und etwa 110 Meter über der am Fuße des Berges dahinfließender Selz. Und wenn du nun dastehst, auf dem spitzen Kegel des Petersberges und bewunderst die Schönheit der vor deinen Augen ausgebreiteten Natur und den Reichtum der hessischen Rheinpfalz, so wisse:

Du stehst auf einem heiligen Boden.

Heute sind auf der Spitze des Petersberges noch Reste einer Kapelle zu sehen. Diese Kapelle wird in Urkunden erstmals 1184 erwähnt. In einer weiteren Urkunde von 1289 verfügt darin König Rudolf von Habsburg an die Stadt Odernheim, dass die zwei Jahrmärkte, welche alljährlich auf dem Petersberg im Schatten der Kapelle an den Festen Peter und Paul abgehalten werden, in Zukunft in der Stadt Odernheim abgehalten werden sollen, weil der Berg so hoch und so beschwerlich zu besteigen ist. Die Kapelle verfiel immer mehr, im Jahr 1763 wurden auf der Spitze des Berges von Bechtolsheimer und Gau-Odernheimer Bürger/innen ein großes Steinkreuz errichtet. Dieses wurde infolge eines Gelübdes nach einer Viehseuche dort aufgestellt.

Der Umstand, dass der Berg dem Heiligen Petrus geweiht ist, deutet, wenn auch nur schwach, auf eine sehr frühzeitige Verehrung Gottes und seines größten Apostels hin. Es ist davon auszugehen, dass schon in vorchristlicher, keltischer Zeit, der Petersberg ein Ort religiöser Verehrung war - ähnlich wie der Donnersberg.

Seit vielen Jahren wird bei schönem Wetter, am Himmelsfahrtstag, auf dem Berg ein
evangelischer Gottesdienst gefeiert.

Das Engelborner Brünnelchen

Die Quelle in der Gemarkung am Engelborn wurde erstmals 1764 erwähnt. Damals erteilte die Gemeinde dem Seegräber Philipp Jacob Weigand den Auftrag, den Graben am Engelborn, oben 4 Schuh breit, unten 2 ½ Schuh breit und 3 Schuh tief auszuheben.
Durch Schleichsandschichten und dadurch verursachte Erdbewegungen stürzte im Jahre 1976 die Brunnenstube der Quelle ein. In der AZ vom 17.07.1976 kann man lesen: "Das Engelborner Brünnelchen fließt weiter, umfangreiche Restaurierungsarbeiten an alter Wasserzuführung bei Bechtolsheim."

Weit über 100 Kubikmeter Erde mussten bewegt werden, um den Quellaustritt freizulegen und zu restaurieren; danach wurden am Quellaustritt 4.850 Liter Wasser pro Tag gemessen.

Eine Neugestaltung der Außenwand am Quellaustritt im Jahre1981 gab dem Engelborner Brünnelchen das heutige Gesicht und Aussehen.

Nach Rücksprache mit der Gemeindeverwaltung Bechtolsheim kann jeder den Grillplatz und die Schutzhütte am Engelborner Brünnelchen nutzen.